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Stellungnahme des Geschichts- und Kulturvereins Burghaun zum Artikel „Nein zu
höheren Kita-Gebühren“ von Alisa Kim Göbel

 

Herkunft ist Zukunft


Oder heißt es in Burghaun bald „Zukunft ohne Herkunft“?


Mit Befremden musste der Geschichts- und Kulturverein der Marktgemeinde Burghaun e.V.
am Freitag, 12.04.2019, in der Hünfelder Zeitung lesen, dass die CDU-Fraktion Burghaun
das ortansässige Museum in Frage stellt.


Bei dem Gemeindemuseum handelt es sich um eine öffentlich zugängliche Einrichtung,
welche im Dienst der Gesellschaft steht und ihrer Entwicklung dient. Zum Zwecke des
Studiums, der Bildung und des Erlebens bietet es die Möglichkeit, die Vergangenheit an
Hand von materiellen und immateriellen Zeugnissen unserer Vorfahren und unserer Heimat
zu erleben, zu bewahren, bekannt zu machen und auszustellen.


Aus vorgeschobenen Kostengründen erwägt die CDU-Fraktion Burghaun das Museum zu
schließen, um damit eine Erhöhung der Kindergartenbeträge zu finanzieren. Das Museum
wird durch den Geschichts- und Kulturverein unterhalten, gehegt und gepflegt ohne, dass
der Verein bzw. die ehrenamtlichen Mitglieder dafür auf irgendeine Weise entlohnt werden.
Die Außen- und Innenpflege, die wandelnden Ausstellungen sowie Veranstaltungen sind nur
auf Grund des Engagements der ehrenamtlichen Mitglieder mit Unterstützung aus der
Bevölkerung möglich. Damit wird Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Chance
gegeben, Burghauner Geschichte zu erleben, zu erkunden und zu hinterfragen.


Will man dies den nachfolgenden Generationen verwehren? Soll es zukünftig interessierten
Kindern, Jugendlichen und Bürgern nur noch möglich sein, dass sie Geschichte „online“
erfahren? Die öffentliche Hand hat auch einen Bildungsauftrag! Sind es unnötige Kosten,
wenn Kinder, Jugendliche und Erwachsen einen Teil der jüdischen Geschichte im Museum
Burghaun erfahren und nähergebracht bekommen? Es ist eine Investition in unsere
nachfolgenden Generationen, wenn diese aus Geschichte lernen und ihre eigenen Schlüsse
ziehen können! Was passiert mit den Burghauner Kulturgütern, verschwinden diese
irgendwo in einem Keller, Archiv oder als Leihgabe in einem anderen Museum?


Glaubt man in der CDU-Fraktion wirklich, dass mit der Schließung des Museums der
Haushaltsposten der Kindertagesstätten saniert bzw. Beitragserhöhungen aufgefangen
werden können? Die laufenden Kosten für das Museum sind aufgrund des hohen
ehrenamtlichen Einsatzes der Vereinsmitglieder im Vergleich zu anderen Einrichtungen der
Marktgemeinde verschwindend gering! Oder wäre die Museumsschließung erst der Anfang
vom Ende? Will man dann auch weitere gemeindeeigene Immobilien wie z.B. Vereinsheime
oder DGH´s schließen und sogar veräußern? Der Vorstand des Geschichts- und
Kulturvereins wird solchen Plänen, auch im Sinne anderer Vereine, vehement
entgegentreten!


Der Vorstand des Geschichts- und Kulturvereins der Marktgemeinde Burghaun e.V.

 

 

Prunkstück ist ein 3000 Jahre altes Bronzeschwert

 

Bericht der Hünfelder Zeitung vom 16.11.2015

 

 

Heimatmuseum in der Moorstraße in Burghaun öffnet am 12. Januar seine Pforten

 

Burghaun. Das Gebäude ist saniert und erstrahlt in neuem Glanz. Die Ausstellungsstücke sind in den Vitrinen und Schränken einsortiert. Das Heimatmuseum in der Moorstraße in Burghaun öffnet am kommenden Sonntag, 18. Januar offiziell seine Pforten für den Besucherverkehr. Um 14 Uhr ist die Einweihung mit kirchlichem Segen, anschließend können sich die Bürgerinnen und Bürger der Marktgemeinde Burghaun sowie interessierte Gäste aus Nah und Fern das neue Museum in Augenschein nehmen.

 

„Herkunft ist Zukunft“ ist das Motto des Museums, das auch im Untertitel der Einrichtung aufscheint. Zugleich ist dies eine prägnant auf den Punkt gebrachte Beschreibung von Sinn und Zweck eines Heimatmuseums in einer Gemeinde. „Nur wenn wir unsere Vergangenheit kennen und bewahren, was uns die Altvorderen hinterlassen haben, können wir nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Zukunft unserer Gemeinde gestalten“, so Bürgermeister Alexander Hohmann, der auch Vorsitzender des neu gegründeten Geschichts- und Kulturvereins ist.

 

Heimatgeschichte vor Ort erfahren

Ein Heimatmuseum ist für ihn kein unangemessener Luxus. „Die Sicherung des kulturellen Erbes unserer Gemeinde kann weder dem Zufall, noch Dritten überlassen werden. Burghauner Relikte dürfen nicht einfach in Privatsammlungen, Museen oder Archiven verschwinden, die weder räumlich, noch historisch oder ideell einen direkten Bezug zu Burghaun haben. Burghauner Fundstücke müssen in Burghaun zu sehen und damit vor Ort erfahrbar sein, nicht nur für unsere Gäste, sondern insbesondere für die hier lebenden Menschen. Es kann nicht sein, dass Burghauner nach Fulda, Kassel oder Marburg reisen müssen, um etwas über ihre Geschichte zu erfahren“, ist er überzeugt.

 

Entsprechend vielfältig ist das museale Konzept angelegt. „Wir haben zwar Dauerausstellungen in den Räumen, können aber in ihnen jederzeit auch Themenausstellungen darstellen“, sagt Hohmann. Eine gute Konzeption schon deswegen, weil wesentlich mehr in Magazinen und Lagerräumen aufbewahrt wird, als aufgrund des Platzangebotes ständig gezeigt werden kann. Nicht nur aus der über 1200-jährigen Geschichte Burghauns, sondern noch weiter zurück bis in Bronzezeit künden Ausstellungsstücke von der Vergangenheit Burghauns. Prunkstück ist eine Nachbildung des etwa 3000 Jahre alten Schwertes des „Kriegers von Burghaun“, das in einer Vitrine und thematisch ausgestalteten Raum präsentiert wird. „Wir können hier im Museum leider nur die Nachbildung zeigen. Das restaurierte Original wird in einem Tresor in der Gemeinde verwahrt“, erläutert Hohmann. Spannend sind die Fundstellenbeschreibung und die weiteren Funde, die dort gemacht wurden und die ebenfalls beschrieben werden.

 

Archäologen vermuten weitere interessante Funde

Dr. Frank Verse, Kreis- und Stadtarchäologe aus Fulda, und seine Mitarbeiterin Milena Wingenfeld, hatten vor dem Jahreswechsel die aufgearbeiteten und untersuchten Funde ins Museum gebracht. Dabei hatte der Wissenschaftler seine Begeisterung kaum zügeln können. Verse vermutet noch weitere interessante Funde im Bereich der Grablege des „Kriegers von Burghaun“. „Die bisherigen Erkenntnisse legen dies nahe. Zudem sind wir der Meinung, dass aufgrund der bisherigen Fundlage dort auch Scherben und Gegenstände noch im Erdreichschlummern, die nach der Bestattung des Kriegers dort eingebracht worden sind, sei es als Grabbeigaben oder als Siedlungshinterlassenschaften“, sagte er. Aus diesem Grund wird bereits darüber nachgedacht, in nicht so ferner Zukunft weitere Grabungen vorzunehmen. Eine Ankündigung, die Bürgermeister Hohmann gerne hörte, freut er sich schon auf weitere Exponate, die dann im Heimatmuseum in der Moorstraße gezeigt werden können.

 

Das Museum, das ehemalige Haus Hölzerkopf, wie das Gebäude mit der Hausnummer 12 in der Moorstraße auch genannt wird, war von der Gemeinde erworben und für die museale Nutzung vorbereitet worden. Dazu zählen auch ein Gewölbekeller und ein Hof, die künftig für kulturelle Veranstaltungen und als Begegnungsstätte am Museum mitgenutzt werden sollen. Das Projekt „Heimatmuseum“ steht in direkter Verbindung zur Erweiterung der Altenpflegeschule der Arbeiterwohlfahrt im Herrenhaus, wo bisher ein kleines Heimatmuseum eingerichtet war. Die AWO brauchte mehr Raum. Um diesen Wunsch verwirklichen zu können, musste das Heimatmuseum verlagert werden. „Der Erfolg der AWO Altenpflegeschule hat uns den Kauf und Nutzung des Gebäudes in der Moorstraße erst ermöglicht. Die Mietmehreinnahmen bei der AWO Altenpflegeschule betragen jährlich 5800 Euro. Der Kaufpreis für das Haus Hölzerkopf lag bei 25 000 Euro. Nach gut vier Jahren ist der Kaufpreis so wieder reingeholt“, rechnet der Bürgermeister vor. Zudem gab es für das Projekt, das mit Gesamtkosten in Höhe von 128 000 Euro veranschlagt ist, auch stattliche Fördermittel vom Land Hessen (26 919 Euro) und der Europäischen Union (53 836 Euro). Mit dem Hauskauf (25 000 Euro) hat die Gemeinde insgesamt 47 245 Euro zu schultern, wovon der Hauskauf selbst durch die Mietmehreinnahmen bei der AWO Altenpflegeschule abgesichert ist.

 

Geschichts- und Heimatverein übernimmt Trägerschaft

Ziel ist es auch stets gewesen, dass nicht die Marktgemeinde Burghaun, sondern ein Trägerverein die Verantwortung für das Heimatmuseum übernimmt. Dieser Träger steht mit dem neu gegründeten Geschichts- und Kulturverein nunmehr zur Verfügung. Dazu hatten Hans und Martin Mohr ins Herrenhaus eingeladen. 17 Bürgerinnen und Bürger waren dem Aufruf gefolgt und unterzeichneten das Gründungsprotokoll. Zum Vorsitzenden wurde Bürgermeister Alexander Hohmann gewählt. Sein Stellvertreter ist Martin Mohr, Kassenführer ist Bernd Maul, Schriftführerin Sophie-Marie Hohmann. Zu Beisitzern wurden gewählt Julia Lambertz, Gertraud Pfingstgräff und Josef Staufer. Karl Ludolph und Reinhard Eigenbrod werden die Kasse prüfen. Die Gründungsversammlung legte einen jährlichen Beitrag von 24 Euro fest, der für Kinder und Jugendliche 12 Euro beträgt.

 

Das Konzept des Museum ist so angelegt, dass dort auch museale Bildungsarbeit stattfinden kann. „Gruppen können hier auch in entsprechenden Räumen arbeiten, was gerade für Schulklassen attraktiv sein wird“, betonte Hohmann.

 

Fuldaer Zeitung, 19.11.2014